Heinrich Vogler zum 150sten

In Worpswede geht es dieser Tage “drunter und drüber”, denn in allen Worpsweder Museen wird seit März diesen Jahres Heinrich Vogeler geehrt und mit Sonderausstellungen betrachtet. Im vergangenen Jahr war es noch Martha Vogeler mit einer grandiosen Sonderausstellung im Haus im Schluh, nun ist es Heinrich Vogeler.

Vogeler, der Gründer und Erbauer des Barkenhoffs, 1894 einer der ersten Künstler in der Künstlerkolonie Worpswede, hat sich vermutlich selbst auf der nebenstehenden Radierung dargestellt, in seinem Garten, eine Lerche betrachtend.

galerie-ahlers-vogeler-1899-rief-24-lerche-komp
galerie-ahlers-vogeler-mappe-komp

Die Radierung ist das erste von zehn Blättern einer Mappe, die erste, die Vogeler füllt. Zuvor steuerte er zwar Radierungen zu zwei Worpsweder Mappen hinzu, 1899 erschien im Insel Verlag jedoch das erste Mal eine bibliophile Mappe vollkommen von Vogeler gestaltet.

Diese Mappe mit 10 Blättern konnten wir kürzlich aus einer Privatsammlung erwerben und möchten sie Ihnen an dieser Stelle vorstellen.

Als Herz der Künstlerkolonie könnte der Barkenhoff angesehen werden. Vogeler ließ 1894 ein Bauernhaus – eingebettet im Grünen – nach seinem Geschmack umgestalten. Er fügte mittig auf der Längsseite einen Flügel auf den eine zierliche Treppe, ein blumenumrankter Weg zuführte. Diesen Barkenhoff stellte er auf seiner Radierung “Um Mittag” dar, Teil der Mappe, vor allem aber ist das Gebäude durch sein raumfüllendes Ölgemälde “Sommerabend” bekannt – ein Blickpunkt in der Großen Kunstschau in Worpswede.

Die Mappe würde sich eigentlich anbieten, in Passepartout und Rahmen ausgestellt zu werden, doch wir halten uns an Rilke:

“Wenn schon die Radierungen “An den Frühling” mit Recht in einer Mappe zusammengefaßt werden konnten, so denken diese Blätter noch viel weniger daran, sich an Wände zu wünschen. Ihrer Intimität entspricht es, als Mappenwerk behandelt zu werden, ja man kann sie sich sogar in einem Buche vorstelle als Gegenstück einer mit feingliedrigen und stillen Typen bedruckten Buchseite.”

Wir laden Sie daher herzlich dazu ein, die Mappe in den Räumlichkeiten unserer Galerie, Düstere Straße 21, zu öffnen, die Blätter in die Hand zu nehmen, zu betrachten, sich in die sinnlichen Motive zu Vertiefen. Falls Sie den Umgang mit dem Original scheuen, so liegen auch zwei Faksimile-Drucke der Mappe parat, doch zeigen wir unten – quasi als Vorgeschmack – auch Digitalisate unserer Radierungen.

Die Werke der Mappe

Nach dem von Hans-Hermann Rief erstellten Verzeichnis “Das Graphische Werk” (Schmalfeldt, Bremen 1974, dort Nr. 24-33) wurde die Mappe “An den Frühling” in vier Varianten gedruckt. 1) 10 num. und sign. Drucke auf Atlasseide, 2) 15 sign. grüne Drucke auf Japan, 3) 75 ebensolche, jedoch nicht signierte, sowie 4) 100 Drucke auf Bütten.

Die vorliegende, vollständige Mappe erschien 1899 im Insel Verlag und ist auf Van Gelder Büttenpapier gedruckt, gehört somit zur vierten Varienten, die auf 100 Drucke begrenzt ist.