Rudolf Mauke – 006-Ohne Titel – 1956

7.200,00 

Künstler*in: Rudolf Mauke

Titel: 006-Ohne Titel

Entstehungsjahr: 1956

Technik: Öl, Farb- und Bleistift/Hartfaser

Größe: 124 cm x 102 cm

Signatur: Unten links signiert und datiert: Mauke 56

Artikelnummer: 2021000175

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Beschreibung

Rudolf Mauke, ein vergessener Maler der 1950er Jahre

Ein Interview mit Oliver Ahlers

Wie sind Sie auf Rudolf Mauke aufmerksam geworden?

O. Ahlers: Ich sehe ja regelmäßig die Auktionskataloge durch, und in einem Katalog der letzten Jahre stieß ich auf ein kleines ungegenständliches Ölbild namens „Grün“ aus den
1950er Jahren, das mir spontan gefiel (und dessen ungefähre Entsprechung in Rot wir auch hier auf der Ausstellung haben). Der Name des Maler – eben Rudolf Mauke – sagte mir
nichts. Ich habe die Auktion dann verfolgt und festgestellt, dass das Bild ein Ergebnis über den Schätzpreis hinaus erzielte. Irgendjemand musste den Maler also kennen und die Bilder
schätzen. Das hat mir dann keine Ruhe gelassen. Wir haben dann nach Rudolf Mauke recherchiert, was nicht ganz einfach war, denn auch im Internet sind wir auf nur sehr wenige Hinweise zu ihm
gestoßen. Jedenfalls haben wir dann herausgefunden, dass seine Bilder, wenn sie denn in bekannteren Auktionshäusern auftauchten, bei den Versteigerungen immer weggingen und kaum einmal im Nachverkauf gelandet waren.

Was ist bei Ihren Recherchen weiter herausgekommen?

O. Ahlers: Wir haben dann festgestellt, dass Mauke in den 50er Jahren ziemlich Erfolg hatte. Er war in Berlin Schmidt-Rottluff-Schüler, bekam Kunstpreise und hatte Einzelausstellungen bei renommierten deutschen Galerien, wie zum Beispiel bei der damals schon bekannten Galerie Brockstedt in Berlin und Hannover, die Mauke ja auch noch mal 2011 ausgestellt hat.
Er ist auch international bei den großen Ausstellungen der Ungegenständlichen Malerei dabei gewesen, wie zum Beispiel 1955 in Paris in der berühmten Cercle Volnay-Ausstellung, wo
die erste große Nachkriegsschau deutscher Kunst in Frankreich gezeigt wurde; wir haben das Glück, das damals dort ausgestellte Bild hier in der Ausstellung zeigen zu können. Ja, und auch in Amerika konnte er damals ausstellen. Die maßgeblichen deutschen Kunsthistoriker, Grohmann und Roh, haben ihn in ihren Übersichtsdarstellungen zur Geschichte der modernen Kunst erwähnt, inklusive Abbildungen. Das Problem an der Sache war nur, dass es offenbar keine repräsentativen Einzelkataloge über ihn gab, weder damalige noch heutige, und es gibt auch kein Werkverzeichnis oder zumindest eine vergleichbare Form der Zusammenstellung seiner Bilder. Schließlich konnten wir herausfinden, dass er auf Bitten der Stadt Wolfsburg in den frühen 1960er Jahren von Berlin in die VW-Stadt gezogen war, um die dortige Kunstszene, die noch am Anfang war, gezielt mit aufzubauen. Das hat er dann auch mit Erfolg getan, aber er ist in den weiteren Jahren selbst nur noch lokal bzw. in Niedersachsen in Erscheinung getreten; sein früher internationaler Bekanntheitsgrad wurde allmählich vergessen. Und in Wolfsburg ist Mauke ja dann auch sein ganzes Leben geblieben.

 Wie ging es dann weiter?

O. Ahlers: Rudolf Mauke war ja schon 1998 gestorben, aber seine Witwe, Frau Katrin Mauke, wohnte noch in Wolfsburg, und da haben wir einfach mit ihr Kontakt aufgenommen, um zu fragen, ob Sie wüsste, ob es noch Bilder von Ihrem Mann aus den 50er Jahren gäbe, weil wir an dem Maler und seiner frühen Malerei interessiert seien. Sie hatte tatsächlich noch alte Bilder. Der nächste Schritt war dann, dass wir auf Einladung von Frau Mauke einfach mal zu ihr gefahren sind, um sie zu besuchen. Wir durften dann im Keller stöbern, wo die älteren Sachen lagerten und waren sofort begeistert von dem, was wir fanden, was wir schließlich mitnehmen konnten und durften, und was eben jetzt hier in der Ausstellung hängt. Und ohne die Unterstützung von Frau Mauke hätten wir das hier auch nicht so auf die Beine stellen können.

Was gefällt Ihnen an den Bildern?

O. Ahlers: Ich glaube, es ist das Zeittypische, was mich so fesselt. Die 50er Jahre in der Kunst erleben ja gerade – vor allem auch in Museen – einen ungeheuren Aufschwung, eine
Renaissance. Bis vor einiger Zeit sind die 1950er Jahre ja noch als muffig und verstaubt wahrgenommen worden. Aber heute werden diese Zeit und ihre Kunst ganz anders bewertet.
Das sieht man ja auch an Museumsausstellungen, die plötzlich die Kunst der 50er Jahre zeigen. Die Bilder von Rudolf Mauke repräsentieren diese 50er Jahre. In seinen Bildern schwingen die neuen modernen Aspekte der 50er Jahre mit, die man auch in der damaligen neuen Architektur wieder findet: dieses Optimistische, Schwingende, diese Bewegung, das Rhythmische, das Freie, die Internationale Bildsprache, was eben auch einen Teil der Ungegenständlichen Kunst der damaligen Zeit auszeichnet. Mauke ist also ein typisches Kunstbeispiel der Zeit, geradezu ein Paradebeispiel der Ungegenständlichen Malerei; und er konnte genau diesen Zeitgeist aufspüren, seine Elemente auffangen und das Typische adäquat mit seiner Malerei umsetzen. Darin liegen meiner Ansicht nach seine Qualität und seine Bedeutung. Auf der anderen Seite sieht man an Maukes Bildern aber auch deutlich seine persönliche Entwicklung. Man kann anhand der Ausstellung gut nachvollziehen, wie er als ursprünglich gegenständlich arbeitender Schmitt-Rottluff-Schüler allmählich zu seinem eigenen Stil findet: Zunächst das frühe Stillleben, ganz im Schmitt-Rottluff-Stil, dann der ungegenständliche Konstruktivismus aus der Mitte der 50er Jahre, der wie eine persönliche, ganz eigenständige Fortführung von Mondrian wirkt. Und auch die Kunsthistoriker der Zeit, wie Grohmann, haben das damals bemerkt, darüber geschrieben und dann festgestellt, dass Mauke sehr schnell darüber hinaus ging und schnittig und luftig wurde. Und schließlich gelangt er zu seinem persönlichen Stil, der aber gleichzeitig den Stil der 50er repräsentiert. Und das finde ich sehr gelungen und wunderbar.

Abschließende Worte?

O. Ahlers: Ich bin sehr froh, dass wir mit der Ausstellung einen vergessenen, aber völlig zu Unrecht vergessenen Maler der 50er Jahre wieder aus der Versenkung holen und eine
wichtige Phase seiner Malerei zeigen können. Und auch, dass wir wahrscheinlich die ersten sind, die einen Katalog dazu vorlegen, um die Malerei von Rudolf Mauke angemessen zu dokumentieren. Das freut mich sehr, und ich bin sehr zufrieden, dass wir das geschafft haben.

 

Das Gespräch führte Bernd Wedemeyer

Hier noch was

Rückseitig oben: R. Mauke, Berlin-Dahlem, Schwendener Str. 8